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Lebensgefährliche QR-Codes – der große QR-Code-Test.

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Von einigen sind sie marketingtechnisch längst für tot erklärt worden. Und wirklich häufig benutzen tut sie anscheinend auch keiner. QR-Codes. Trotzdem sieht man sie weiter im Einsatz: An Plakatwänden, in Magazinen oder auf den Briefmarken der Post. Ich wollte einmal selbst nachschauen, was sich im Einzelfall hinter der quadratischen Ansammlung aus schwarz-weißen Punkten verbirgt. Deshalb habe ich einen Versuch gestartet: Eine Woche lang wollte ich jeden Code scannen, der mir über den Weg läuft. Ob Schaufenster, Plakat, U-Bahn oder Flugzeug – mein Smartphone war stets griffbereit, um den jeweiligen QR-Code zu scannen. Noch ahnte ich nicht, wie gefährlich das werden würde.

Die erste Ernüchterung

Meine erste Beobachtung war, dass es deutlich weniger geworden sind als etwa noch 2012/2013. Damals konnte man kaum einen Schritt machen, ohne über einen zu stoßen. Aber einige habe ich dann doch gefunden: Zum Beispiel einen QR-Code des Hautpflegeprodukt-Herstellers Eubos in einem Kundenmagazin. Nachdem ich den Code gescannt hatte, öffnete sich ein PDF. Ich konnte es jedoch kaum lesen. Die Anzeige für „High Tech gegen Falten“ war nicht responsive gestaltet worden. Sogar als ich sie im Adobe Reader vergrößert hatte, war die Schrift nur schlecht zu lesen. Bedenkt man, dass QR-Codes grundsätzlich nur von Smartphones gelesen werden können, stellt sich hier natürlich die Frage nach Sinn und Zweck des Codes. Ich jedenfalls war ziemlich genervt davon, dass ich so viel Aufwand betreiben musste, bis ich eine (ganz normale) Anzeige ohne jeden Mehrwert zu lesen bekam.

Ein QR-Code führt fast zum Streit

Morgens in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit entdeckte ich gegenüber von meinem Sitzplatz den nächsten Code. Eine Anzeige für das am 01. Dezember erschienene Videospiel Just Cause 3 . Sie klebte auf der Bahn-Fensterscheibe. Das Problem hierbei: Der QR-Code war so klein, das ich ihn von meinem Sitzplatz aus unmöglich scannen konnte. Mal abgesehen von der Tatsache, dass die unterhalb der Anzeige sitzende Person mir finstere Blicke zuwarf. Wahrscheinlich dachte sie, ich wollte sie heimlich filmen oder fotografieren, als ich verzweifelt versuchte, den Code vor die Linse meines Smartphones zu bekommen.

Es half nichts. Ich musste aufstehen und mich näher ran bewegen. Mein Gegenüber starrte mich an. Ich entschuldigte mich und zeigte zur Erklärung auf die Werbeanzeige über seinem Kopf. Er verstand die Geste nicht. Oder falsch. Jedenfalls war ich froh, als endlich das Handy vibrierte und mir anzeigte, dass der QR-Code erfolgreich gescannt war.

Überstürzt hastete ich aus der Bahn, bevor der Konflikt handgreiflich wurde. Der Link führte mich auf eine Landingpage des Spieles, wo ich dieses via Saturn oder Amazon bestellen konnte. Immerhin war sie responsive gestaltet und bot ein paar Videos und Fotos an. Für Fans von Just Cause 3 grundsätzlich interessant – wenn der QR-Code nicht so schwierig zu scannen wäre, dass man dem S-Bahn-Gast dafür auf die Füße steigen musste.

Ein positives Beispiel

Ich entdeckte aber auch positive Beispiele. So stieß ich in einem Magazin von Globetrotter auf einen QR-Code von Wikinger-Reisen: Nach dem Scannen öffnete sich eine Seite mit der Überschrift „Wandertypentest“ und acht Fragen, die ich beantworten konnte. Sehr schön! Endlich wurde ich für einen Scan einmal belohnt, indem ich tatsächlich aktiv werden konnte. Ich beantwortete die Fragen und zur Antwort erhielt ich die Kategorie, in der ich Wanderreisen beim Anbieter buchen konnte. Das Beispiel gefiel mir so gut, dass ich tatsächlich die Homepage des Anbieters aufsuchte. Zwar habe ich nicht direkt eine Reise gebucht (aber vorgemerkt), doch dies ist dies ein Beispiel für einen gelungenen QR-Code, da er zum Mitmachen motivierte und mir nicht nur eine 08/15-Werbungsanzeige präsentierte.

Plötzlich in Lebensgefahr

Im Schaufenster einer Filiale von Apollo-Optik fand ich schließlich einen QR-Code, der dem Experiment ein jähes Ende bereitete. Die Idee an sich war dabei gar nicht schlecht: Über dem QR-Code waren mehrere Buchstaben- und Zahlenreihen abgebildet, wie man sie vom Optiker her kennt. Ich sollte mich 3 Meter entfernt von der Glasscheibe vor den QR-Code stellen und versuchen, die Buchstaben und Zahlen zu entziffern und via QR-Code eingeben.

Ein Sehtest also. Schön! Das wollte ich ausprobieren. Der Haken: Um mich drei Meter vor den QR-Code zu stellen, musste ich den sicheren Bürgersteig verlassen und auf die zu diesem Zeitpunkt rege befahrene Hauptstraße stellen. Nicht so schön! Ich wog die Optionen ab: Sollte ich mich in Lebensgefahr begeben, nur um herauszufinden, ob meine Dioptrienzahl sich verschlechtert hatte? Autos und Lastwagen rasten hinter meinem Rücken vorbei. Ich entschied mich dafür, diesen QR-Code links liegen zu lassen und das einwöchige Experiment vorzeitig zu beenden.

Mein Fazit: Zu viele QR-Codes werden unbedacht, ja abenteuerlich eingesetzt. Oder aber sie führen den Smartphone-User auf nicht responsive Inhalte, von denen er nichts hat. Ich werde höchstwahrscheinlich erst wieder einen QR-Code verwenden, wenn ich das erste Mal in meinem Leben zum Wandern in die USA reise: Dort kann man sich mittlerweile an Coca Cola-Automaten mit einem QR-Code sein ganz persönliches Kaltgetränk selbst kreieren.

Titelbild: Jeff Turner via flickr.com (Lizenz: CC By 2.0)

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