Kreation
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Schrift ohne Sinn hat auch eine Funktion.

Diese Typo-Studie, die ich kürzlich im Zusammenhang mit einer Schriftrecherche entwickelt habe, verwendet Pangramme in Französisch, Deutsch und Englisch. Ein Pangramm ist ein Satz, der alle Buchstaben des Alphabets enthält. Im Deutschen dann also inklusive Umlauten und Eszett.

Pangramme verwenden wir Gestalter, wenn wir eine Schrift aussuchen, um die Optik einzelner Buchstaben und das Laufverhalten einer Schrift zu bewerten. Sie sind quasi eine höhere Form des Blindtexts. Im Webzeitalter dienen Pangramme häufig auch online als Test, um das Aussehen verschiedener Schriftarten effizient miteinander vergleichen zu können. Wie läuft die Schrift, wie viel Platz beansprucht sie, wie wirkt sie im Web, wie harmonisch stehen die Figuren zueinander?

Pangramme helfen Schrift zu beurteilen
In der deutschen Sprache existiert als häufig verwendetes Pangramm der Satz „Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern“, der allerdings weder Umlaute noch das Eszett enthält. Ein verbreitetes Pangramm ohne diesen Mangel ist die Phrase „Zwölf Boxkämpfer jagen Viktor quer über den großen Sylter Deich“. Auch gerne genommen: „Die heiße Zypernsonne quälte Max und Victoria ja böse auf dem Weg bis zur Küste. “

Pangramme gibt es in unendlich vielen Sprachen, von Walisisch bis Urdu. Das Top-Pangramm im Englischen: „The quick brown fox jumps over the lazy dog“. Ein kohärentes und kurzes Pangramm des englischen Alphabets, das alle darin vorkommenden Buchstaben abdeckt.

Blindtext statt Pangramm für längere Texte
Für Layouts mit größeren Textanteilen allerdings eignen sich umfangreichere Blindtexte deutlich besser. Der Klassiker ist der lateinische Blindtext „Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur, adipisci velit, …“ Der Text ist absichtlich unverständlich, um den Betrachter nicht durch den Inhalt abzulenken. So können wir die Verteilung des Textes beurteilen, die Lesbarkeit und den Platzbedarf der verwendeten Schrift.

Auch die sogenannte „Grau-Wirkung“ lässt sich erst mit längeren Textbausteinen gut sichtbar machen: wenn die Laufweite (= Abstand zwischen den Zeichen einer Schrift) einer Schrift schlecht ausgeglichen ist, entstehen „Löcher“ im Schriftbild, die man sogar sehen kann, wenn man den Text z.B. verschwommen oder mit größerem Abstand betrachtet.

Fremdsprachige Texte vermitteln manchmal einen leicht verfremdeten Eindruck, weil die vorkommenden Buchstaben andere sind als in der eigenen Sprache. In der deutschen Sprache gibt es zum Beispiel mehr Versalien und weniger „m“, „n“ und „u“ als in lateinischen Texten. Andererseits lässt man sich bei fremdem Text nicht so schnell von der Gesamtwirkung eines Layouts ablenken …

Blindtext-Generatoren mit unterschiedlichen Schwerpunkten finden sich natürlich reichlich im Internet:
http://www.blindtextgenerator.de/
http://www.loremipsum.de/
http://www.newmediadesigner.de/

Bildschirmfoto 2014-07-22 um 14.27.00

Wem das noch nicht reicht, für den gibt es den bayerischen Blindtext-Generator – wählen könnt ihr zwischen den Versionen „Schmarrn“ und “Grantln“.

 

 

 

Kategorie: Kreation

von

Anne Kunz

Präzise und inhaltlich stark, verlässlich, strukturiert und mit hohem Sinn für Ästhetik. In Print- und Screen-Design ist die erfahrene Designerin ein Garant für ungewöhnlich gute Lösungen. In ihrer Freizeit: greift sie sich am liebsten ihre Spiegelreflexkamera, ihr Fahrrad und ihren Mann und erkundet Land und Leute.

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