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Der All-in-one-Tipp fürs Wochenende: Kultur, Natur und Baden.

Der Sommer gibt ordentlich Gas. Am Wochenende soll das Thermometer mal wieder die 30-Grad-Marke knacken. Wer keine Lust hat, zu Hause rumzusitzen oder in der Hitze der Stadt einzugehen, der packe seine Badesachen, schnappe seinen Nachwuchs und mache sich auf nach Bernried am Westufer des Starnberger Sees, wo Baden noch fast überall erlaubt ist und noch so richtig Spaß macht: Jede Menge schattige Plätze unter großen, alten Bäumen, klares Wasser, ein toller Blick auf die Alpen, nette Leute und ausreichend Parkplätze.

Paperworlds: Ritter, Teddybär und Krieg der Sterne
Wer von Wasser, Sonne und Bergpanorama die Nase voll hat, der sollte einfach mal die Perspektive wechseln und in die bunte Erlebniswelt des Museums der Phantasie eintauchen, wo die Berliner Kuratorinnen Valeska Hageney und Sylvia Volz letzten Freitag die Ausstellung „Paperworlds“ eröffnet haben. Gezeigt werden rund 60 Kinder- und Jugendzeichnungen bekannter zeitgenössischer Künstler. Die Bilder, die im Grafikkabinett zu sehen sind, gewähren uns einen seltenen und tiefen Einblick in die kindliche Lebens- und Gedankenwelt dieser internationalen Künstler: Ritter, Teddybär, Totenkopf und Militärparade treffen hier auf Rambo, Rocker und den Krieg der Sterne.

Interessant ist, dass die unterschiedlichen Motive und Themen der Zeichnungen auch sehr viel über die Herkunft der Künstler erzählen, die in verschiedenen Kulturkreisen und politischen Systemen aufgewachsen sind.

Die Kuratorinnen Valeska Hageney und Sylvia Volz haben Kinderzeichnungen heute bekannter zeitgenössischer Künstler zusammengetragen.

Die Kuratorinnen Valeska Hageney und Sylvia Volz haben Kinderzeichnungen heute bekannter zeitgenössischer Künstler zusammengetragen.

Szene einer geteilten Stadt
Mein persönlicher Favorit ist eine Zeichnung des in der DDR aufgewachsenen Künstlers Olaf Holzapfel, die er als Sechsjähriger angefertigt hat. Zu sehen ist der Fernsehturm am Ostberliner Alexanderplatz, in fröhlich bunten Farben ausgeführt. Im Hintergrund, gen Westen, eher düster und fremd anmutend, das Europa-Center, auf dessen Dach sich der Mercedes Stern leuchtend drehte und das auch in Ostberlin zu sehen war. Über allem schwebt ein Jumbo-Jet ohne Hoheitsabzeichen am Himmel Richtung Osten über der geteilten Stadt.

Der zeitgenössische deutsche Künstler Olaf Holzapfel malte mit sechs Jahren den Berliner Fernsehturm.

Der zeitgenössische deutsche Künstler Olaf Holzapfel malte mit sechs Jahren den Berliner Fernsehturm.

Jonathan Meese, ohne Titel, 1977 (7 Jahre), Bleistift und Buntstift auf Papier, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Foto: Jan Bauer

Jonathan Meese, ohne Titel, 1977 (7 Jahre), Bleistift und Buntstift auf Papier, © VG Bild-Kunst, Bonn 2015 / Foto: Jan Bauer

Anfassen ausdrücklich erwünscht!
Während sich die Erwachsenen den phantasievoll verschlüsselten Botschaften von Paperworlds hingeben, darf sich der Nachwuchs schon mal im neuen Labor der Phantasie umschauen. Hier ist Anfassen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Zwischen Möbelelementen zum Sitzen, Liegen und Spielen, bemalten Originalregalen aus dem Hause Buchheim mit Kunst- und Kinderbüchern zum Schmökern, einer Tastsammlung aus Naturalien und Kuriositäten sowie einem ganzen Baum zum Klettern, dürfen sich die Kleinen wie Alice im Wunderland fühlen. An Arbeitsflächen zum Zeichnen, Basteln und Experimentieren darf sich jeder künstlerisch entfalten. Herzstück des Labors der Phantasie ist Diethild Buchheims (19. Juli 1922 – 11. März 2014) Blätterwelt mit ihren bizarr-komischen Tierbildern. Die Ehefrau von Lothar Günther Buchheim, die von sich selbst behauptet hatte, weder zeichnerisch noch handwerklich begabt zu sein, gilt als prominente Referenz, dass jeder kreativ arbeiten kann.

Herzstück des Labors der Phantasie ist Diethild Buchheims Blätterwelt mit ihren bizarr-komischen Tierbildern.

Herzstück des Labors der Phantasie ist Diethild Buchheims Blätterwelt mit ihren bizarr-komischen Tierbildern.

Essen, Trinken, Tratschen
Ein besonderes Angebot für alle Generationen ist der Familienbrunch, der an jedem ersten und dritten Sonntag im Labor der Phantasie stattfindet. Hier kann nicht nur geschmökert, gebastelt und gespielt, sondern auch getratscht, getrunken und gegessen werden.

Eine neue Ausstellung im Museum der Phantasie am Starnberger See: "Paperworlds" zeigt Werke bekannter Künstler als Kinder.

Eine neue Ausstellung im Museum der Phantasie am Starnberger See: „Paperworlds“ zeigt Werke bekannter Künstler als Kinder.

Infos zur Ausstellung „Paperworlds“:
Künstler als Kinder – Kinder als Künstler

  • Dauer: 4. Juli bis 18. Oktober 2015
  • Offenes Atelier für Kinder: Jeden Samstag und Sonntag von 11 – 17 Uhr
    Familienbrunch im Labor der Phantasie: Ab Sonntag, 19. Juli 2015, jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 10-14 Uhr
  • Mein Museum der Phantasie – Wettbewerb für Alle
    Unter dem Motto „Wie stelle ich mir mein Museum der Phantasie vor?“ können Bilder oder Modelle bis zum 2. August 2015 im Museum eingereicht werden. Alle Werke werden, soweit der Platz reicht, ab dem 11. August im Vortragssaal ausgestellt. Zwischen 11. August und 27. September wird mit jeder Eintrittskarte ein Stimmzettel ausgegeben, mit dem der Besucher für seine drei Lieblingsentwürfe stimmen kann. Am Sonntag, den 4. Oktober, ab 14 Uhr, werden dann die Gewinner benannt. Prämiert werden auch der jüngste und älteste Teilnehmer.

Adresse:
Buchheim-Museum der Phantasie
Am Hirschgarten 1
82347 Bernried

Lage des Museums auf Google Maps

Von April bis Oktober kann man auch mit den den Linienschiffen der Bayerischen Seenschifffahrt nach Bernried ins Museum der Phantasie fahren. 

Von April bis Oktober kann man auch mit den den Linienschiffen der Bayerischen Seenschifffahrt nach Bernried ins Museum der Phantasie fahren.

Bilder: Buchheim-Museum, VG Bild-Kunst, Annette Weyer

Kategorie: Highlight

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Annette Weyer

Annette Weyer ist Gastautorin beim D&F Blog für Unternehmenskommunikation. Die ehemalige Redakteurin des ITmagazins der Finanz Informatik ist heute freie Lokaljournalistin für den Landkreis Weilheim-Schongau – und hat sich ans eigenständige Arbeiten gewöhnt. Annette Weyer lebt und arbeitet in Bernried am Starnberger See.

2 Kommentare

  1. Egon Börner sagt

    Hallo liebe Annette, es macht Spaß, Deinen Artikel zu lesen. Frech, informativ, strukturiert, sorgsam illustriert. Als Leser bekommst du Lust und Laune, dem Angebot zu folgen. Wo findest du schon solche Möglichkeiten zum Verweilen inmitten traumhafter Landschaft und weltbekannter Kunst. Befände ich mich nicht im sächsischen Chemnitz, jener Stadt, in der Lothar-Günther Buchheim aufgewachsen ist und die ersten Schritte seiner unvergleichlichen Karriere gemacht hat, wäre ich mittendrin im Gewusel der angebotenen Events. Da ich vermute, dass Du, liebe Annette, teilhaben wirst am Andrang des Wochenendes, wünsche ich Dir auch weiter eine spitze Feder.
    Herzliche Grüße aus Chemnitz
    Egon

  2. Heide Dunst sagt

    … da kann ich Herrn Börner nur zustimmen, ein frischer Artikel und die Überschriften/Schlagwörter sehr gut gewählt.
    Leider sehr weit weg von Berlin 🙁
    Grüße nach Bernried und Chemnitz !

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