Digitale Kommunikation, Kreation, Trends
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Flat Design oder warum die Welt gerade eine Scheibe ist.

Flachheit, dazu vermerkt mein Lexikon als Hauptbedeutung: „ABWERTEND Geistlosigkeit, Gedankenarmut, geistige Oberflächlichkeit.“ Ein flaches Design wäre insofern etwas, in das der Gestalter nicht viel Arbeit gesteckt hat und das man am besten ebenso wie einen flachen Witz ganz schnell wieder vergisst. Flat Design ist aber alles andere als das. Seit einigen Jahren ist es ein zentraler Trend, der sich bei Betriebssystemen wie Windows 8 und vor allem im Webdesign beobachten lässt. Vom Look des bekannten Filehosting-Dienstes Dropbox bis hin zu Googles beliebtem Angebot, an Weihnachten die Route des Weihnachtsmanns nachverfolgen zu können, im ganzen Netz scheint sich Flat Design momentan auszubreiten:

 

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Flat Design, dessen Wurzeln bis hin zum Swiss Style zurückreichen, steht dabei in klarem Gegensatz zum Skeuomorphismus. Dieser verleiht Benutzeroberflächen und Icons ein möglichst realistisches Abbild und imitiert etwa bei den Anwendungen Adressbuch und Terminkalender eine Leder- und Papieroptik. Dies dient vor allem dazu, dem Benutzer ein materielles Vertrauen gegenüber digitalen Oberflächen einzuflößen. Demgegenüber setzt Flat Design bewusst auf Reduktion und Minimalismus: Einfache Formen und Symbole, großzügig eingesetzte bunte Flächen und sogenannte Ghost Buttons – einfache, transparente Clickfelder – beherrschen das Bild.

Wie gemacht für Responsive Design

Ein möglicher Grund für die Beliebtheit von Flat Design ist sicher, dass es wie gemacht zu sein scheint für Responsive Design: Bei der Verwendung von Tablets und Smartphones überzeugt es durch seine Einfachheit, klare Formensprache und die schnellen Ladezeiten. Darüber hinaus besticht es durch eine minimalistisch-verspielte bis comichaft-kunterbunte Ästhetik. Nun ist aber keine Modeerscheinung jemals zeitlos gültig – und tatsächlich lässt sich beobachten, dass Nuancen wie Long Shadows oder Lichtakzente verstärkt im Flat Design Verwendung finden und damit bei aller ‚Verflachung‘ für einen Hauch von Realismus sorgen. Mittlerweile ist sogar schon das Flat Design 2.0-Zeitalter ausgerufen worden. Und wer weiß, wenn Webdesign sich ein Beispiel an der Kleidungsindustrie nimmt, dann kehren wir vielleicht demnächst wieder zu den Anfängen des digitalen Zeitalters zurück und die Apple-Benutzeroberfläche des allerersten Macs von 1984 gilt wieder als der letzte Schrei:

Bildschirmfoto 2015-08-11 um 16.42.05

Screenshot 1984 mac os (Google-Bildersuche)

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